TraumichFreie HochzeitszeremonienMagazin

Inspirationen und Ideen rund um freie Trauungen und Hochzeitszeremonien in der Schweiz

JA-Worte.Das Traumich-Magazin.

Inspirationen, Eindrücke und Ideen rund um freie Trauungen und Hochzeitszeremonien. Zusammengestellt vom Traumich-Team. 

Bilinguale freie Trauungen: Sprachen und Kulturen verbinden

Wie gestaltet man eine freie Trauung, wenn das Brautpaar und die Gäste verschiedene Sprachen sprechen oder unterschiedliche kulturelle und religiöse Hintergründe mitbringen? Ich erzähle euch von meinen Erfahrungen mit internationalen Hochzeitspaaren und davon, wie wir all diese Facetten in einer Zeremonie zusammenbringen können.

Wenn ich Paare für ihre freie Trauung kennenlerne, kommt oft schon früh die Frage auf: In welcher Sprache soll die Zeremonie stattfinden?
Ich begleite viele internationale Hochzeitspaare: Da ist sie vielleicht Schweizerin und er kommt aus Südafrika. Oder er stammt aus dem Berner Oberland und aus den Philippinen. Beide bringen ihre eigene Geschichte, ihre Familie und ihre Sprache mit und natürlich sollen sich auch die Gäste auf beiden Seiten angesprochen fühlen.

Für zweisprachige Zeremonien auf Deutsch und Englisch gibt es verschiedene Möglichkeiten: Manche Paare wünschen sich, dass jeder Teil der Zeremonie vollständig in beide Sprachen übersetzt wird. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Gäste jeweils nur Deutsch oder Englisch verstehen.

Am häufigsten verweben wir die beiden Sprachen jedoch miteinander. Gerade bei Hochzeiten in der Schweiz verstehen viele Gäste zwar Englisch, fühlen sich auf Schweizerdeutsch aber einfach wohler. Gleichzeitig soll sich der englischsprachige Partner in seiner eigenen Hochzeit zu Hause fühlen, und die englischsprachigen Gäste sollen natürlich auch verstehen, was gerade erzählt wird.

Deshalb erzähle ich bestimmte Teile der gemeinsamen Geschichte in der Sprache ausführlicher, die dazu passt, und fasse die wichtigsten Gedanken in der jeweils anderen Sprache zusammen. Was das Paar beispielsweise in der Schweiz erlebt hat, erzähle ich auf Schweizerdeutsch; Geschichten aus England oder Südafrika können auf Englisch mehr Raum bekommen.

So können beide Sprachen ganz natürlich Teil der Zeremonie sein, ohne dass jeder Satz doppelt erzählt werden muss. Mir gefällt diese Variante besonders gut, weil sie Raum für die Geschichte des Paares lässt und trotzdem alle Gäste mitnimmt.
 

Verschiedene kulturelle Hintergründe 

Bei internationalen Hochzeiten geht es oft um mehr als die Sprache, auch die kulturellen Hintergründe spielen eine Rolle. Welche Traditionen sind der Familie wichtig? Was verbindet das Paar mit seinen Herkunftsländern? Und was soll davon an diesem besonderen Tag spürbar werden?

In dieser Saison durfte ich ein Schweizerisch-südafrikanisches Paar in der Moschti in Stäfa trauen. Sie ist Schweizerin, er stammt aus Kapstadt. Kennengelernt haben sie sich in Zürich und heute leben sie gemeinsam in der Schweiz. Für ihre Hochzeit war es ihnen wichtig, beide Sprachen und beide kulturellen Hintergründe in die Zeremonie einzubringen. Diese Hochzeit hat mir besonders viel Freude gemacht, da ich selbst den Grossteil des Jahres in Kapstadt lebe und mein Partner Südafrikaner ist. Beide Kulturen sind mir deshalb sehr vertraut, ich konnte mich gut in die beiden hineinversetzen und auch einige typisch südafrikanische Ausdrücke in den englischen Teil meiner Zeremonie einweben. Gemeinsam haben wir überlegt, welche Erlebnisse und Eigenheiten ihre Geschichte ausmachen und wie wir diese in die Zeremonie einbauen können.

Das Feedback der Gäste hat mich tief berührt. Sie fühlten sich angesprochen, es wurde ausgiebig gelacht und sie hörten bis zum Schluss aufmerksam zu, obwohl wir im Juli bei rund 38 Grad feierten. Das hat mich natürlich besonders gefreut.

Zusammenspiel unterschiedlicher Religionen

Manchmal treffen bei einer Hochzeit nicht nur verschiedene Sprachen und Kulturen aufeinander, sondern auch unterschiedliche religiöse Traditionen. Gerade das bietet bei einer freien Trauung viele Möglichkeiten. Vieles darf Platz haben, sofern es zum Paar und seinen Wünschen passt.

Eine weitere Hochzeit aus diesem Jahr ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Die Braut hat einen deutsch-russischen Hintergrund, der Bräutigam einen südafrikanisch-jüdischen. Die beiden wünschten sich eine zweisprachige Zeremonie auf Deutsch und Englisch, in der sowohl christliche Traditionen als auch jüdische Rituale vorkommen sollten. Gemeinsam mit meinem Co-Zeremoniar, der selbst einen jüdischen Hintergrund hat, habe ich die Zeremonie gestaltet und geleitet. Ich übernahm die deutschsprachigen und christlich geprägten Elemente, er führte durch den jüdischen Teil. Das brauchte einiges an Vorbereitung und eine enge Abstimmung. Es war wichtig, dass die verschiedenen Traditionen nicht einfach nacheinander stattfinden, sondern sich zu einer stimmigen Zeremonie verbinden. Gleichzeitig sollten beide ihre Bedeutung behalten und mit dem nötigen Respekt eingebunden werden.

Gefeiert haben wir mit rund 150 Gästen bei schönstem Wetter in Franschhoek, mitten in den Winelands von Kapstadt. Die Stimmung war grossartig und das Feedback der Gäste überwältigend. Solche Hochzeiten bleiben mir lange in Erinnerung, gerade weil sie zeigen, wie persönlich eine freie Zeremonie gestaltet werden kann. Auch die Zusammenarbeit mit meinem Co-Zeremoniar war eine bereichernde Erfahrung.

Und wenn die Familie nicht anreisen kann?

Bei internationalen Paaren leben die Familien manchmal Tausende Kilometer voneinander entfernt. Nicht alle Angehörigen können es sich einrichten, für die Hochzeit in die Schweiz zu reisen – oder es klappt nicht rechtzeitig mit Visa und Pässen.


Bei einer Trauung, die ich begleitet habe, stammte der Bräutigam aus dem Berner Oberland und die Braut aus den Philippinen. Da ein Teil ihrer Familie nicht anreisen konnte, haben wir die Zeremonie live mitgeschnitten, damit die Angehörigen auf den Philippinen dabei sein konnten. Es ist natürlich nicht dasselbe, wie gemeinsam vor Ort zu feiern. Aber es ist eine schöne Möglichkeit, Menschen einzubeziehen, die sonst nicht hätten dabei sein können.

Wie wir bei Traumich internationale Paare begleiten


Auch im Traumich-Team bringen wir unterschiedliche Geschichten und Sprachkenntnisse mit. Wir sprechen Deutsch und Schweizerdeutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Holländisch und Portugiesisch; damit können wir viele internationale Paare bei der Gestaltung ihrer freien Trauung begleiten.

Gemeinsam mit dem Paar klären wir, welche Sprachen die Gäste verstehen, welche kulturellen oder religiösen Traditionen wichtig sind und wie sich diese sinnvoll in die Zeremonie integrieren lassen. Manchmal braucht es dafür auch eine zweite Zeremonienleitung, wie bei meiner Hochzeit in Franschhoek.

Es gibt dafür kein allgemeingültiges Rezept. Jedes Paar bringt andere Wünsche und Voraussetzungen mit. Genau deshalb finde ich diese Hochzeiten so spannend. Ich lerne unterschiedliche Geschichten kennen und darf daraus eine Zeremonie gestalten, in der sich beide Partner und ihre Familien wiederfinden.

Und wenn am Ende beide Seiten das Gefühl haben, dass ihre Geschichte und ihre Herkunft ihren Platz bekommen haben, dann ist das für mich eine rundum gelungene Trauung.


Autorin: Caroline Grewar-Brinkhoff 



 

Chiara & Andreas

Am 10. Juni 2023 durfte Michael im Hotel Bad Ramsach für Chiara und Andreas eine freie Trauung leiten. Wir freuen uns, dass wir ein paar Bilder aus dieser wunderbaren Hochzeitszeremonie zeigen dürfen.

Die Melodie eurer Zeremonie

"Now I heard there was a secret chord..." – sobald jemand Leonard Cohens «Hallelujah» anstimmt, werden alle Augen feucht. Warum dies trotzdem nicht das perfekte Lied für eine Hochzeitszeremonie ist und welche Gedanken ihr euch bei der Wahl eurer Begleitmusik machen solltet, berichten wir hier.

Bei uns im Team sind wir uns einig: Musikalische Einlagen bereichern jede Zeremonie. Einerseits sorgen sie für kleine Entspannungs-Pausen zwischen den Redeteilen, anderseits hat Musik oft die Kraft, Leute an andere Orte zu bugsieren: In eigene Erinnerungen, zu schönen Momenten. Bloss: Welche Musik passt und welche vielleicht weniger?

Schmerzliche Trennung statt ewige Liebe
Fangen wir mal mit den schlechten Nachrichten an: «Hallelujah» passt nur bedingt. Auch wenn die neuere Version des Songs vor allem von der Beziehung des Sängers zu einer Geliebten erzählt, ist der Ursprung des Stücks doch im Alten Testament zu finden und hat ein tragendes religiöses Thema. Es geht um König David, der für Gott als Zeichen seiner Ergebenheit Harfe spielte – vielleicht nicht ganz passend für eine freie Trauung. 

Ähnlich verhält es sich mit anderen Klassikern: «I will always love you» von Whitney Houston? Erzählt von einer schmerzlichen Trennung. Und wenn Bruno Mars singt «I think I wanna marry you» leitet er den Wunsch ein mit «we’re looking for something dumb to do». Es lohnt sich also immer, den Text der vermeintlichen Liebeslieder zu beachten. Wer eine schöne gemeinsame Erinnerung verbindet mit diesen Liedern, soll sie in diesem Gedenken auf jeden Fall trotzdem integrieren – da steht der Moment eben über dem Text.

Eure Musik für euren Tag
Aber welche Lieder eignen sich denn nun? Die kurze Antwort ist: "Eure" Lieder. Am emotionalsten sind immer Stücke, mit denen ihr als Paar eine Erinnerung oder ein Erlebnis verbindet – das darf dann auch grade kein explizites Liebeslied sein. Aber es lässt sich dazu eine Geschichte erzählen und so einen weiteren gemeinsamen Moment für euch und die Gäste schaffen.

Wenn es solche Songs nicht gibt, kein Problem! Dann recherchiert nach Liedern, die eine Geschichte erzählen, mit der ihr euch identifizieren könnt. Leider greifen viele Paare mangels Alternativen dann doch wieder auf die Klassiker zurück. Und auch wenn deren Melodien unbestreitbar bewegend sind – sie sind eben auch austauschbar. Und an eurer freien Zeremonie habt ihr ja grade das Glück, es so zu machen, wie IHR wollt.

Unbedingt live
Als Richtwert empfehlen wir für die Zeremonie drei Stücke auszuwählen. In welcher Form diese dargeboten werden, entscheidet ihr. Vielleicht gibt es in eurer Familie oder im Freundeskreis musikalische Menschen, die gerne etwas für euch einstudieren würden? Vielleicht gibt es eine reine Acapella-Version eures Lieblingslieds? Oder die Instrumental-Variante? Einmal «All you need is love» auf dem Didgeridoo? Nichts ist unmöglich! Aber am allerschönsten ist Musik immer live.

Wenn ihr dazu niemanden im Freundeskreis findet, recherchiert doch in eurer Region nach Nachwuchs-Musikerinnen und -Musikern, zum Beispiel über www.sofaconcerts.org – dann könnt ihr Kreative bei ihrem Aufstieg unterstützen.

 

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Bild: Jen Theodore.